Recap: Abitaufe


Was man so macht, wenn man das Abitur bestanden hat? Am Goethegymnasium tanzt man mit springenden Spannbettlaken, jagt Schulfachpokemon und isst Pilze aus Eiern und Tomaten.

Was im einleitenden Satz dieses monumentalen und künstlerisch hochwertvollen Artikels wohl noch sehr abstrakt klingt, ist im Grunde nicht mehr (aber auch nicht weniger) als ein Beweis für die Vielfältigkeit unserer Schule und soll im folgenden, um die begründete Verwirrung all derer aufzulösen, die am 19. Juni nicht anwesend waren, genauer erläutert werden.

Dass unser Gymnasium jährlich ein in Weimar und Umgebung einzigartiges „Ritual“ zur Ehrung seiner Abiturienten veranstaltet, ist sicherlich nichts Neues. In diesem Jahr steht die Taufe unter dem selbstgewählten Abi-Motto Abitendo, worüber sich der Versuch einer Pilsnachahmung aus Ei und Tomate leicht erklären lässt: Guten Hunger!

An besagtem 19. Juni starten die Abiturienten in das letzte Level ihrer schulischen Laufbahn und über Sonne und blauen, wolkenlosen Himmel freuen sich an diesem Tag Herr Heinze, der die Taufe im Super-Mario-Kostüm moderiert und die Nicht-mehr-Schüler bei ihren wasserzählenden Aktivitäten.

Doch bevor es soweit ist und die Übergabe der Taufsprüche gefolgt vom Obligatorischen Planschen beginnen kann, bleibt wie bei jedem guten Ritus noch einiges zu tun.

Beginnen tun die Festlichkeiten am Herderplatz, ganz wie die schulische Laufbahn eines Goethegymnasiasten in der fünften Klasse dort hinter der Herderkirche zwischen Herderwohnhaus und Herderschule beginnt.

Auf dem Schulhof, auf dessen Treppen sich wohl die meisten beim Fangenspielen schon einmal verletzt haben, startet die Zeremonie mit der Bläsersechstklässlern, einer (ersten) Tanzgruppe, und einer Performance der kleineren Mittglieder des Zirkus Gaudiums, die in ihren Ganzkörperkostümen die Abiturienten (ein erstes Mal) zum Tanzen einladen. (Das sind am Rande bemerkt die Spannbettlaken vom Anfang).

Weiter geht es wie jedes Jahr mit dem Taufzug durch die Stadt. Kleine ziehen ihre großen Geschwister, geschwisterlose müssen Laufen, voraus schreitet die Marching-Band angeführt von Herr Lohmüller, der auf dem Kopf einen themenspezifischen Pikachu trägt und nebenher rennt ein durchaus gestresstes Fototeam, das versucht, die besten Momente für die Nachwelt festzuhalten. Ob uns das gelungen ist, können sie selbst beurteilen.

Am Haupthaus angekommen, nehmen die Abiturienten auf Matten Platz und das Programm beginnt mit einer Tanzeinlage der Lehrer, in der Herr DoXuan als Pokemonsammler auftritt und den Rest des Kollegiums, getarnt als eines der vielen Fächer, die die Zwölftklässler in ihrer Schulzeit mehr oder weniger gern gemacht haben, in Form einer Pokemonkarte, einfängt.

Weiter geht es mit einer Tanzeinlage des Zirkus und einem Auftritt der Schulband (vielleicht auch in umgekehrter Reihenfolge), bevor das eigentliche Taufen beginnen kann.

Es taufen am Goethegymnasium als Engel oder Täufel (mir ist durchaus klar, dass man das anders schreibt) verkleidete Elftklässler, die dabei tatkräftig von Freunden und Verwandten der Abiturienten unterstützt werden.

Funktionieren tut das ganze wie folgt: Es wird ein Taufspruch vorgelesen und dann wird man nass gemacht (die Taufgefäße liegen dabei auf einer Größeskala irgendwo zwischen kleiner Kanne und großer Regentonne): So simpel, so unterhaltsam ist das Prinzip, das natürlich (wie soll es auch anders sein) von weiteren Tanzeinlagen unterbrochen und beendet wird.

Abschließend springen die Getauften in den Nachbau des Goethebrunnens auf dem Frauenplan, der am Vortag auf dem Schulhof entstanden ist und so schnell wie sie begonnen hat ist auch in diesem Jahr die Abitaufe wieder vorbei.

Ein weiterer Jahrgang zieht davon und in die wilde, weite Welt. Sie werden Ärzte, Philosophen, Bauarbeiter, Wissenschaftler, Musiker, Klärgrubentaucher…

Es ist weiß Gott keine einfache wilde, weite Welt, in der sie all diese Dinge machen werden, und es ist keine einfache Zukunft, die sie erwartet, und trotzdem, auch wenn Zeit nach Einstein relativ ist, bleibt kein anderer Weg als der in die Zukunft übrig und sowieso: Wer wenn nicht diese jungen Menschen wird es sein, der auf die Zukunft aufpasst?

Und wohin auch immer es jeden einzelnen unserer Abiturienten führt, vielleicht denken sie ja gelegentlich an Spannbettlaken, Pokemon und Pilze aus Ei und Tomate.

Text: Levi Steidtmann | Fotos: Levi Steidtmann, Frida Perschel und Marlene Bickelhaupt Stufe 11