Neues vom Goethe

Interview mit Schülerfirma


Am Donnerstag, den 15.12.22, besuchten wir als Schülerzeitung die Schülerfirma „Kunstwerk by GG“ und befragten alle Anwesenden.

Wie wurde die Schülerfirma gegründet?

Frau Bunge: Im Jahr 2006 gab es ein Projekt unter anderem an unserer Schule, in dem es darum ging, wie ein Unternehmen gegründet und vermarktet wird. Nach einjähriger Begleitung durch eine Stiftung sollte das Projekt jedoch wieder beendet und die Gruppe von Schülerinnen und Schülern aufgelöst werden. Die aus 20 Personen bestehende Gruppe entschloss sich, das Projekt fortzuführen. Seitdem gibt es unsere Schülerfirma. Das war Teil meines WR-Unterrichts.

Was musste getan werden, um dieses Unternehmen zu gründen? War es ein großer Aufwand?

Frau Bunge: Die Stiftung hat uns unterstützt. Trotzdem war es ein enormer Aufwand. Wir mussten Vereinbarungen mit der Schulleitung schließen, den Raum anmieten, ein Konto finden, Steuern verhandeln. Nach einem dreiviertel Jahr waren wir eine fertige Firma, eine Aktiengesellschaft. Der Förderverein gab uns glücklicherweise ein Unterkonto. Einfach war das nicht, auch wenn es sich vielleicht so anhört.

Welche Kriterien gibt es bei der Produktwahl?

Lucas: Produktideen werden in die Schülerfirma hineingetragen. Wir schauen dann, wie sich das Produkt weiterentwickeln kann. Kriterien sind der geschätzte Absatz und wie gut wir

unsere Vorstellung eines Unikats in dieses Produkt einfließen lassen können, damit der künstlerische Aspekt erhalten bleibt. Wir machen Kunst und sind keine Fabrik.

Können Vorschläge eingereicht werden? Wie ist das mit Anfragen auf Spezialanfertigungen?

Lucas: Wir sind immer für Idee offen. Schülerinnen und Schüler können auf uns zukommen und uns ihre Vorschläge sagen. Anfragen auf Spezialanfertigungen dürfen, wie es auch auf unserer Website steht, uns gerne zugereicht werden.

Habt ihr schon neue Pläne für die Zukunft? Neue Produkte und Projekte?

Frau Bunge: Fertig sind wir erstmal mit unserem Kinderbuch, das gekauft werden kann. Es ist ein Märchen und handelt von einem Ritter, der durch den Wald spaziert. Dazu haben Schülerinnen und Schüler im Kunstunterricht die Bilder gestaltet. Wir haben immer noch Aufträge offen. Für ein Geschäft am Frauenplan haben wir Kerzen mit Serviettentechnik hergestellt. Gerade arbeiten wir an solchen Kerzen für den Tag der offenen Tür. Jonas macht die Entwürfe, diese werden ausgedruckt und auf Servietten gebracht, welche wiederum an die Kerzen geklebt werden. Wir nehmen jederzeit Aufträge entgegen!

Das heißt, die Warteschlange bei den Aufträgen ist nicht allzu groß? Man wird nicht auf in einem Jahr vertröstet?

Frau Bunge: Wenn wir Aufträge erhalten, setzen wir das, was wir nebenbei machen, nach hinten, sodass wir den Auftrag schnell erfüllen können.

Wie viel Mitglieder seid ihr gerade?

Lucas: Gerade sind wir 10.

Habt ihr Arbeitsverträge?

Frau Bunge: Alle haben Arbeitsverträge, bekommen Gehalt, besitzen festen Urlaub und jeder, der hier für ein Jahr gearbeitet hat, erhält ein Zertifikat. Jeder kann bestimmen, ob er den Lohn lieber ausgezahlt haben oder in ein gesellige Aktion oder eine Tierpatenschaft stecken möchte.

Warum Tierpatenschaften?

Frau Bunge: Wir unterstützen den Zoo und werden dorthin nach einer Patenschaft eingeladen, bekommen Urkunden, eine tolle Führung und eine seltene Nähe zu den Tieren. Schließlich dürfen wir hinein zu ihnen. Es macht uns allen Spaß.

Leonid: Wir durften auch schon im Zoo unsere Ware verkaufen.

Was zeichnet diese Schülerfirma aus? Warum ist gerade diese eine der besten Deutschlands?

Leonid: Wir wurden von der Nixdorf-Stiftung ausgezeichnet. Nachdem wir Landessieger Thüringens geworden waren, ging es in die Bundesrunde. Wir sind sehr gut organisiert und arbeiten bestens zusammen.

Lucas: Die große Pressearbeit, der Online-Shop und die eigene Website kamen hinzu.

Frau Bunge: Außerdem spielte das Thema Nachhaltigkeit eine Rolle. Wir müssen immer wieder nachweisen, dass wir als Schülerfirma nachhaltig arbeiten. Die von uns gegossenen Kerzen bestehen aus Docht und alten Kerzenresten. Wir fragen Mitglieder und Schüler, ob sie Kerzenreste übrighaben, und benutzen dann diese. Die alten Kerzen sollen nicht weggeschmissen werden.

Wo seht ihr die Schülerfirma in 10 Jahren?

Frau Bunge: Ich werde in zehn Jahren nicht mehr da sein. Ich habe mich erkundigt, ob ein Lehrer meinen Posten übernehmen möchte. Doch keiner ist daran interessiert, weil der Zeitaufwand so enorm ist. Wir sind an Wochenenden den ganzen Tag unterwegs gewesen und mussten schon häufig vorarbeiten. Somit wird es die Schülerfirma in zehn Jahren nicht mehr geben.

Frage an die einzelnen Mitglieder: Warum seid ihr hier? Was ist eure Motivation? Konntet ihr etwas mitnehmen?

Leonid: Als wir in der neunten Klasse bei Frau Bunge Kunst hatten, hat sie sich neben mich gesetzt und zu mir gesagt: „Du kannst doch gut schreiben, oder?“. Ich bejahte und seitdem bin ich dabei. Es ist auch ein sozialer Aspekt, der mich hierbehält. Die regelmäßigen Treffen mit den anderen. Mitnehmen konnte ich unter anderem html- und css-Kenntnisse, die nötig waren, um die Website zu programmieren. Dazu wäre ich sonst nie gekommen.

Lucas: Die Schülerfirma hat mich zu vielem Neuen gebracht. Ich habe den Onlineshop gegründet, viele Kontakte gemacht, Pressearbeit kennengelernt. Die Schülerfirma hat mich über einen großen Zeitraum meiner Schulkarriere begleitet. Ich war mal Geschäftsführer.

Marie-Sophie: Ich habe die Projekttage der Projektwoche im letzten Schuljahr hier verbracht. Mir geht es um das Gesellige, die Arbeit mit Leuten aus anderen Klassen. Und ich habe schon viel Neues kennengelernt.

Jonas: Ein Freund hat es mir empfohlen. Eine Ablenkung vom Alltag, in dem ich meine Kreativität ausleben kann, habe ich gesucht, gefunden, und genau das hält mich weiterhin hier.

Wir danken allen recht herzlich für das Interview!

Wer sich von der Schülerfirma angesprochen fühlt, kann sich gerne mit Mitgliedern in Verbindung setzen. Treffpunkt ist Donnerstagnachmittag nach der achten Stunde im Raum 220.

Es ist für alle etwas dabei: Die drei Abteilungen Marketing, Produktion und Finanzen decken viele Stärken ab.