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„Die schlechteste Demokratie ist besser als die beste Diktatur!“

„Grenzt niemanden aus, verurteilt niemanden, lebt nicht mit Vorurteilen gegenüber anderen und vor allem hasst nie!“ So beendete Henriette Kretz die Darstellung ihrer Lebensgeschichte. In einem Zeitzeugengespräch vor Schülern der Geschichts-Kurse des Goethegymnasiums Weimar verdeutlicht uns Frau Kretz, nach den schrecklichen Erlebnissen des Holocaust ihr Lebensprinzip: „Ihr dürft eure Feinde nicht hassen“! Henriette Kretz, am 26.10.1934 in Lemberg (damaliges Polen, heute: Lwiw-Ukraine) geboren, zeigte uns, dass die Wände der Zeit durchlässig sind, und führte uns in die Zeit des Nationalsozialismus nach Polen. Sie ließ uns Begriffe wie Antisemitismus und Antijudaismus aus ihrer Sicht verstehen. Eindringlich enthielt Ihre Geschichte sowohl Freude, Hilfs- und Aufopferungsbereitschaft wie auch Schmerz und unermessliches Leid. Es entsteht eine Geschichte, von einem blutjungen Mädchen, das fast die komplette Familie durch die NS-Ideologie und ihre „Säuberungstaten“ verlor. Man stelle sich vor mit gerade 8 Jahren jegliche Hoffnung, Geborgenheit der Familie und den Glauben an die Menschlichkeit zu verlieren. Kinder vergessen nie! Hunger, Schmerz, Tränen, Leid und auch Scham wurden ihre Begleiter. Die Authentizität ihrer Worte berührte uns zu tiefst. Viele Ukrainer in ihrem Heimatort verbündeten sich mit dem Teufel, für ihre scheinbare und fragwürdige Freiheit. Der Hauptimpuls ging von deutschen Soldaten aus. Auch ein Teil der polnischen Bevölkerung beteiligte sich an den Säuberungen in den Gefängnissen, Ghettos und jeglichen Einrichtungen. Sie unterstützten die Initiativen gegen den jüdischen Bevölkerungsanteil, allen Gesetzen zum Trotz. Wahrlich genug Potential um Hass und tiefe persönliche Feindschaften zu entwickeln. Henriette Kretz tat das nicht.

Die Geschichte ihres Lebens schrieb sie in dem Buch „Willst du meine Mutter sein?“ für die Nachwelt auf. Ihre Geschichte ist eine von vielen, denn alle jüdischen Kinder der damaligen Zeit waren zum Tode verurteilt. Die Freunde, die ihr halfen, büßten größtenteils mit dem Tode. Sie verehrt diejenigen, die sich selbst für andere in Gefahr brachten. Ihrer Menschlichkeit verdankt sie ihr Leben. Der emotionale Klang ihrer Stimme, das schreckliche Ausmaß, ihre Erlebnisse und ihr Lebensmut ließen uns mitunter schlucken, aber auch verstehen! Wie oft schien uns in unseren Leben, unsere Welt, unsere Familie und unsere derzeitige politische Situation kritikwürdig. Wir haben die Chance etwas zu verändern. In diesem Zusammenhang ist die Aufforderung von Frau Kretz unsere Demokratie zu leben und zu schützen für uns alle Anspruch und besser zu begreifen: „Die schlechteste Demokratie ist besser als die beste Diktatur!“. Hier fühlen wir uns gefordert. Das Gespräch hat uns Schüler beeindruckt und kann wirkliche, subjektiv erlebte Situationen nahe bringen. Es kann uns dazu bringen Fragen zu stellen, zu philosophieren und zum Nachschlagen in Dokumentationen und Geschichtsquellen motivieren. Für uns sind Zeitzeugengespräche wichtig, denn die Zeit ist endlich.

Das eigene Erleben der Zeitzeugen und deren Wissen als Augenzeugen sind durch Bücherwissen nicht zu ersetzen! Danke, an Frau Kretz, Frau Müller stellvertretend für das Maximilian-Kolbe-Werk sowie Frau Luther und Frau Ruhl, unseren Lehrerinnen.

Julia Barthl im Namen der Kursteilnehmer 11