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Das sowjetische Speziallager Nr. 2 aus der Sicht eines Zeitzeugen -
Geschichts-Tagesprojekt in der Gedenkstätte Buchenwald

Jeglicher Kontakt zur Außenwelt wurde verboten, stundenlange Strafappelle ohne einen erkennbaren Anlass, umgeben von Stacheldrähten und all dies verbunden mit der Ungewissheit und Furcht, was denn als Nächstes geschehen könnte.
Wie sich Menschen unter diesen Umständen gefühlt haben könnten und wie ihre Gedanken in dieser Situation waren, wollten wir, die Klasse 10c, erkunden. Also machten wir uns am 13. September auf den Weg nach Buchenwald zum Speziallager Nr. 2, welches von 1945-1950, also nach dem Ende des Nationalsozialismus, von den Sowjets als Straflager genutzt wurde.

Zunächst führte uns ein Kurzfilm in die Thematik ein. Betont wurde hier, dass sich hauptsächlich grundlos beschuldigte Jugendliche in dem Lager befanden, wo sie keine Gelegenheit hatten, sich zu beschäftigen. Dadurch fühlten sich viele in einer aussichtslosen Lage und bekamen starke Depressionen.

Um uns noch besser in die unmenschliche Situation der Gefangenen hineinversetzen zu können, bekamen wir eine vielfältige Führung an unterschiedlichen Stationen des ehemaligen sowjetischen Speziallagers, das sich unterhalb des ehemaligen Konzentrationslagers befand.

Nach der Führung wurden wir dem 90-jährigen Herrn Vollbrecht vorgestellt, welcher ein Zeitzeuge der damaligen Zeit ist. Er wurde dort festgehalten, da er zur Hitlerjugend gehörte, welche ab 1939 verpflichtend war. Zudem erzählte er uns von dem harten Winter 1947/48, in dem es an Heizmaterial und Nahrung mangelte sowie den schlechten hygienischen Bedingungen. Insgesamt starben in den fünf Jahren des Lagers etwa 7500 Menschen. Heute erinnern im Wald aufgestellte Metall-Stelen an die vielen Toten.

Das sowjetische Speziallager war kein Arbeitslager. Vielmehr durften die Häftlinge sich nicht beschäftigen und der Besitz von Büchern, Stiften, Papier usw. wurde hart bestraft. Dennoch gab es Kreativität um den Alltag „normaler“ zu gestalten: So bastelten manche Häftlinge unerlaubt aus alten Glühbirnenschachteln Kartenspiele.

Während seiner dreijährigen Haft kam Herrn Vollbrecht auch der Gedanke zu fliehen, jedoch setzte er diesen gefährlichen Plan nicht in die Realität um. Letztendlich wurde er nach mehreren Jahren Gefangenschaft entlassen. Dadurch hatten auch wir an jenem Tag die seltene Gelegenheit, einen ehemaligen Häftling kennenzulernen.

Selbstverständlich können wir uns niemals in die damalige Zeit hineinversetzen und die wahren Umstände und Gefühle verstehen, aber durch Herrn Vollbrechts sensible Art und seine emotionalen Worte, kamen wir dem ein wenig näher.

Sabrina Aliyeva, 10c