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„Ziele sind erreichbar - auch durch Umwege“

Mödlareuth, ein winziger Ort, aber reich an Geschichte und Veränderungen. Zunächst getrennt durch das Fürstentum Reuß und das Königreich Bayern, später Sperrgebiet zwischen der BRD und der DDR. Heute der Übergang vom Bundesland Thüringen zum Bundesland Bayern. Immer geteilt durch die natürliche Grenze des Tannbachs. Unter dem Thema „Mauer, Zaun und Stacheldraht“ nahmen wir, der Geschichtskurs des Goethegymnasiums Weimar, gemeinsam mit dem Humboldtgymnasium aus Schweinfurt vom 04.06. bis 06.06.2018 an einem historisch-kulturwissenschaftlichen Seminar teil. Inhaltliche Aspekte waren das Leben und die Vorgänge an der innerdeutschen Grenze zwischen 1945-1990 in Mödlareuth.

Am ersten Tag erhielten wir eine Einführung in die Geschichte der deutschen Teilung. Anschließend besichtigten wir die erhaltenen Grenzanlagen, die von ostdeutscher Seite 44 Jahre geplant und immer weiter perfektioniert wurden, um die Flucht auf die andere Seite des Ortes zu verhindern. Dennoch riskierten Menschen ihr Leben für die eigene Freiheit. Sie versuchten auf unterschiedlichen Wegen, die Grenze zu überwinden: „Jede Flucht- ein Unikat“. In einem Zeitzeugengespräch mit Herrn Peter Gäbelein erfuhren wir über eine von 38.000 gelungenen „illegalen Grenzverletzungen“, wie das Ministerium für Staatssicherheit den Versuch ohne Ausreiseantrag und Erlaubnis die Grenze zu übertreten, bezeichnete.

Am Vormittag des zweiten Tages beschäftigten wir uns mit den Fluchtakten der „Stasi“. Ungewohnt und bedrückend zugleich für uns war, welche Informationen die Staatssicherheit über die Menschen in der DDR gesammelt hat. Inhalte der Fluchtakten waren das private und berufliche Umfeld, Berichte der Grenztruppen und Folgen der Flucht für Freunde, Familie sowie die Grenze und die Grenztruppen selbst.

Wir erfuhren von den Zwangsaussiedlungsaktionen „Ungeziefer“ und „Kornblume“, welche im Film „Es gab kein Niemandsland“ thematisiert wurden. Daraufhin unternahmen wir am Nachmittag eine Exkursion zu markanten Fluchtpunkten entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Heutzutage lässt sich nur geringfügig nachvollziehen, welche Schicksale sich an diesen Orten ereignet haben. Die Angst ist verblasst- für uns nicht mehr spürbar, nur die Worte der Zeitzeugen lassen uns die Emotionen nachempfinden.

Am Mittwoch präsentierte Herr Uwe Hillmer uns sein Thema „Strukturen und Methoden der Überwachung und Verfolgung in der SED Diktatur“. Wir hörten von Beispielen, wie die DDR in verschiedene Bereiche des Lebens eingriff. Im Zeitzeugengespräch mit Sabine Popp wurde noch einmal deutlich, welche Folgen von der Ideologie der DDR abweichende Sichtweisen hatten, denn nicht alle befürworteten „Den Marxismus [als] die einzige Wahrheit.“

Die scheinbar harmlose Offenbarung ihrer Meinung in Großbuchstaben das Wort „Wiedervereinigung“ an eine Hauswand zu schreiben, verschaffte ihr letztendlich 5 Jahre Haft im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck zusammen mit Kindsmörderinnen und anderen Straftäterinnen.

Durch viele Zeitzeugen-Interviews konnten wir Eindrücke zum „ersten Arbeiter- und Bauernstaat“ gewinnen, dessen Anspruch es war, durch Sozialismus ein besseres Deutschland zu schaffen. Zwar fühlten sich die Geflüchteten durch die intensive Überwachung der Staatssicherheit eingeengt, dennoch möchten sie „ihre Kindheit [in der DDR] nicht missen.“ In Erinnerung bleibt uns von Herrn Gäbelein und Frau Popp „unsere Ziele sind erreichbar, auch durch Umwege. Das Wichtigste ist, Niemals aufzugeben. “ Wir sind Kinder einer vereinten Nation, welche täglich mit neuen Problemen konfrontiert wird.

Die Freiheit wird uns heute garantiert. Die Demokratie und die Freiheit kann jedoch nur durch eigene Initiative und Akzeptanz gewahrt werden, denn „wenn du dich nicht um mich kümmerst, verlasse ich dich“ – Deine Demokratie.

Die Exkursion hat uns sehr bereichert. Danke, an Frau Popp, Herrn Gäbelein, der Landeszentrale für politische Bildung Bayern für die Organisation und finanzielle Unterstützung und Frau Luther, unserer Lehrerin.

Kursteilnehmerinnen Lizzy Stein, Julia Barthl